Fackelmarsch der „Identitären“ in Wien – „Gedenkmarsch 1683“ (07.09.2019)

Am Samstag, den 7. September, riefen die rechtsextremen „Identitären“ unter dem Label „Gedenken 1683“ für den späten Abend zu einem Fackelmarsch am Wiener Kahlenberg auf. Die Veranstaltung war bereits Monate zuvor in den sozialen Medien beworben worden. Bereits am Vormittag waren führende Kader der Gruppe, sowie eine Handvoll Teilnehmer_innen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz am Versammlungsort zugegen, auch ein Lautsprecherwagen wurde unweit des mit Tretgittern eingezäunten Platzes vor der Josephskirche geparkt. Aufgrund von zwei polizeilich angemeldeten antifaschistischen Demonstrationszügen waren jedoch die zentralen Zufahrtsrouten auf den Kahlenberg unpassierbar. Etwa eine Stunde vor dem geplanten Beginn des Fackelmarsches wurde die Absage der Kundgebung auf dem Kahlenberg bekannt gegeben. Ersatzweise sollte kurzfristig ein – im Vorfeld angemeldeter – Demonstrationszug durch die Wiener Innenstadt abgehalten werden.

Diese Demonstration sammelte sich vis-a-vis der Universität Wien vor der Mölkerbastei. An diesem Platz befindet sich ein Denkmal für Johann Andreas von Liebenberg, zur Zeit der Zweiten Türkenbelagerung Wiener Bürgermeister war. Etwa 200 Personen sammelten sich dort und der Demonstrationszug stellte sich eilig auf. Auffällig war das Fehlen von Redebeiträgen oder wirklicher Moderation der Versammlung, auch als der Lautsprecherwagen bereits vom Kahlenberg eingetroffen war. Die Ordner der Versammlung, erkennbar an gelben Westen, setzten sich mit wenigen Ausnahmen aus Aktivisten und Kadern der Wiener und Niederösterreichischen „Identitären“ zusammen. Zumindest einer der Ordner trug während der Versammlung verstärkte Schlaghandschuhe, wie Fotos belegen. Die Versammlungsleitung übernahm Phlipp Huemer, Bundessprecher der Gruppe, während Martin Sellner, bekanntestes Gesicht der „Identitären“, während dem Marsch gänzlich fehlte. Unter den Teilnehmenden fanden sich polnische Nationalisten, sowie ungarische, slowenische, dänische, italienische und deutsche Mitglieder bzw. Aktivist_innen der Gruppe. Außerdem war mit Ursula Stenzel eine nicht-amtsführende Wiener Stadträtin der FPÖ zugegen. Auch ein Salzburg RFJ-Mitglied sowie der ehemalige Obmann von PEGIDA Wien nahmen am Demozug teil.

Der Marsch führte zuerst ohne jeglichen Ausdruck zur nahegelegenen Freyung, wo mit Einbruch der Dämmerung Fackeln, sowie Spruchbänder und Wien-Fahnen verteilt wurden. Auf Materialien mit dem Logo der „Identitären“ wurde jedoch bewusst verzichtet. Die Symbole der Rechtsextremen fanden sich jedoch auf zahlreichen T-Shirts und Pullovern, außerdem war Mode des Versandhauses „Phalanx Europa“, das der Gruppe zuzurechnen ist, vielfach zu sehen. Es gab seitens der Demoleitung genaue Kommandos zur Positionierung der Fahnen und Banner (vorne und an den Seiten), sowie ein Flugblatt mit Verhaltensregeln für die Teilnehmer_innen. Sobald die Fahnen verteilt und entzündet waren, zog der Marsch in hohem Tempo über am Hof und die Brandstätte vorbei am Stephansplatz bis zum Parkring. Er wurde dabei immer wieder mit antifaschistischen Parolen konfrontiert, größere Proteste blieben hier jedoch aus.

Vor dem Denkmal an den antisemitischen Wiener Bürgermeister Karl Lueger fand nach einer hastigen Demo schließlich eine Abschlusskundgebung statt. Die Redebeiträge wurden dabei von Ursula Stenzel (FPÖ), Christian Zeitz (Wiener Akademikerbund) und einem Vertreter der „Identitären“ gehalten. Während der Redebeiträge traf eine größere Gruppe von Antfaschist_innen ein, die lautstarken Protest übten und als spontane Demonstration bis etwa 50 Meter an die Kundgebung herankamen. Sie wurden von Einsatzeinheiten, WEGA und Hundestaffel auf Distanz gehalten, zogen jedoch über verschiedene Wege immer wieder in die Nähe der „Identitären“.