Wien: Spontane Demonstrationen nach Angriff durch türkische Faschist_innen (24.06.2020)

Gestern Nachmittag kam es in Wien Favoriten zu einem körperlichen Angriff auf Teilnehmerinnen einer Demonstration in Gedenken an kurdische Frauen, die vor wenigen Tagen nahe Kobanê bei einem türkischen Luftschlag starben. In der Folge zog sich die Kundgebung in Richtung des linken Hausprojektes Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) zurück, die Situation wurde rasch unübersichtlich.

Wenig später mobilisierten türkische Rechtsextreme, die zumindest teilweise dem Umfeld der MHP zuzurechnen sind, zum EKH, in dem sie kurdische Linke vermuteten. Etwa 40 Personen folgten dem Aufruf und sammelten sich gegenüber vom Eingang des EKH. Sie wurden, nachdem sie faschistische Wolfsgrüße gezeigt hatten, jedoch bald in den nahegelegen Wieland-Park abgedrängt.

Dort sammelten sich in der nächsten Stunde bis zu 100-150 türkische Nationalist_innen. Diese provozierten die Personen die sich vor dem Ernst-Kirchweger-Haus befanden sowie andere Linke, die sich aus Solidarität außerhalb der Sperrketten der Polizei sammelten.

In Reaktion auf den Angriff fand gegen 21:00 eine antifaschistische Spontandemonstration statt, die beim Wieland-Park auf die MHP-Sympathisanten traf. Die Parolen „Alerta Antifascista“, „Bijî Kurdistan“ (übersetzt: „Lang lebe Kurdistan“) und „Faşizme karşı omuz umuza“ (übersetzt: Schulter an Schulter gegen Faschismus) wurden mit „Ya Allah bismillah Allahu ekber“ (übersetzt: „Bei Gott, im Namen Gottes, Gott der Große“) – Sprechchören beantwortet. Außerdem riefen die Faschisten „Aponun piçleri yıldıramaz bizleri“ (übersetzt: „Apos Bastarde können uns nicht einschüchtern“) (Anm.: Apo ist eine geläufige Bezeichnung für den inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan).

Als die Polizei die Gruppen trennte, setzten sich etwa 100 MHP-Sympathisanten als diffuse Spontandemonstration in Bewegung, zerstreuten sich am Viktor-Adler-Markt aber bald, als sie auf Polizeikräfte trafen. Infolge dieser Ereignisse rückte ein großes Polizeiaufgebot an, das neben einem Helikopter auch die Spezialeinheit WEGA und die Hundestaffel umfasste. Die Polizei sperrte Teile des Viktor-Adler-Marktes ab. Auch Militärpolizei war vor Ort, da ein Soldat des Bundesheeres verdächtigt wurde, an einem Angriff auf einen pro-kurdischen Demonstranten beteiligt gewesen zu sein.

Als die anti-kurdischen Gruppen kurz nach 23:00 Uhr schließlich von den Straßen verschwunden waren, zogen etwa dreihundert Antifaschist_innen vom EKH zum Hauptbahnhof, wo sie die Kundgebung auflösten. Kurz vor Mitternacht entspannte sich die Lage im Bezirk wieder.